Kurz vor Anfang der Osterferien trat ich mit weiteren nordbayerischen Italienischlehrerinnen die etwa 1000 km lange Reise zum Job Shadowing nach Orbetello in der südlichen Toskana an. Das über Erasmus+ finanzierte Programm dient dem Erfahrungsaustausch zwischen europäischen Lehrkräften und gibt unter anderem einen Einblick in das Schulsystem, die Unterrichtsmethoden, die Ausstattung der Schulen, die Organisation des Schulalltags und die kulturellen Besonderheiten des Gastlandes.
In und um Orbetello wurden uns vier verschiedene Schulen vorgestellt: ein Liceo mit humanistischem und naturwissenschaftlichem Zweig, ein Istituto professionale für Gastronomie und Hotellerie, das Istituto Tecnico Nautico in Porto Santo Stefano sowie das Istituto Tecnico Economico für Touristik und IT in Albinia.
Dabei konnten wir zahlreiche Unterschiede zu bayerischen Schulen beobachten, sowohl im Hinblick auf das Schulsystem als auch auf die Art des Unterrichts und die personelle und finanzielle Situation der Schulen.
Das Schulsystem in Italien
In Italien besuchen alle Schüler zunächst für fünf Jahre eine Grundschule, danach drei Jahre lang die sogenannte scuola media. Erst im Anschluss daran entscheiden sie sich für eine weiterführende Schule, die wiederum fünf Jahre dauert und zum Abitur führen kann. Diese kann entweder ein Liceo sein, das im Hinblick auf die Anforderungen und Fächerauswahl am ehesten mit unserem Gymnasium zu vergleichen ist, ein Istituto tecnico, das eine stärker technische und berufsbezogene Ausrichtung hat, oder ein Istituto professionale, an dem die Schüler neben allgemeinbildenden Fächern auf weniger anspruchsvollem Niveau auch viel Praxisunterricht haben. Nach dem Abschluss des Biennio, den ersten zwei Jahren an einer dieser Schularten, endet die Schulpflicht. Im darauffolgenden Triennio, den letzten drei Schuljahren, haben die Schüler die Möglichkeit, sich weiter auf einen der von der Schule angebotenen Bereiche zu spezialisieren.
Susanne Kuhn

